Heizung und Licht als Luxusgut?

Aus meiner Sicht!

„Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie halt Kuchen essen.“. Ob diese Worte wirklich von Marie Antoinette stammen oder sie ihr nur in den Mund gelegt wurden – darüber scheiden sich die Geister.

Christine Haas

Worüber wir uns aber alle einig sein können, ist, dass scheinbar bis heute – und vor allem heute – der Gedankengang ein ähnlicher geblieben ist. Woran liegt es? Kann oder will man sich nicht vorstellen, wie es wäre, wenn plötzlich nur mehr ein Zwanzigstel der monatlichen Gage zur Verfügung stünde?

Tatsache ist, dass der Winter vor der Türe steht. Die Tage werden nicht nur kälter, sondern auch dunkler und die nächste Strom- und Gasabrechnung wird demnächst viele Menschen an den Rand der Verzweiflung bringen. Von diversen Politikern aller Parteien kamen Ratschläge fern von jeder Realität. Von „Zähne zusammenbeißen“ über „mit 150 Euro im Monat kann man gut leben“ zu „Gürtel enger schnallen“ bis hin zu „nicht mehr duschen, Deckel auf den Topf beim Kochen“ und „sich zu Hause warm anziehen und die Heizung zurückdrehen“ war alles dabei. Nur…. was davon ist wirklich brauchbar?

Selbstverständlich haben wir immer stundenlang geduscht, weil wir sonst kein Hobby hatten. Die Heizung lief auf 30 Grad und dazu war überall Festbeleuchtung – das gibt so ein gewisses Gefühl von Sommer und Sonne – dazu noch den Backofen geöffnet und das Wasser laufen lassen – und schon glaubt man sich – wenn man die Augen schließt – an einem heißen Strand und hört die Wellen des Meeres. Dazu gibt es noch die Möglichkeit der Privatsauna mit Aufguss, wenn man Töpfe nicht bedeckelt, sondern sich direkt davor stellt und den Kopf über den Dampf hält. Sehen uns SO jene, die uns solch „wertvolle“ Tipps zukommen lassen?

Der größte Hohn ist wohl die Werbekampagne „Aktion 11“ – wievielen Obdachlosen und Mindestrentnern könnte man mit dem Geld, das diese Aktion kostet, wohl eine geheizte Unterkunft zur Verfügung stellen?

Und was bringen 11 % Ersparnis, wenn der Strompreis von Jänner 2021 bis November 2022 von 3 ct pro kw/h auf 50 ct pro kw/h gestiegen ist? Sind das etwa 11 %? Diese Zahlen sind übrigens keine Utopie, sondern sind so in meinen Daten der Wien-Energie nachzulesen.

Womit wir wieder beim eingangs erwähnten Gedankengang wären. Nehmen wir mal an, jemandem mit einem Einkommen von über € 20.000,- „droht“ eine Nachzahlung von 5.000,-. Mit den verbleibenden 15.000,- wird dieser wohl kaum am Hungertuch nagen müssen – und dabei sind die zusätzlichen 20.000,- Weihnachtsgeld noch nicht einmal berücksichtigt. Flattert jedoch jemandem mit einer kleinen Rente, Sozialhilfe, Arbeitslosengeld eine Abrechnungsforderung von „nur“ 500,- ins Haus, sieht die Relation ganz anders aus. Einkommen 1.000,-, Miete 300,-, Strom 500,-, bleiben satte 200,- (laut oberhalb erwähntem Zitat noch 50,- oberhalb dessen, was Mensch monatlich zum Leben braucht.)

Klar – man muss natürlich bedenken, dass Herr und Frau Generaldirektor sich zu Weihnachten anstatt Keksen lieber Brillantohrringe und einen neuen Luxuswagen schenken – da muss man schon Verständnis haben. Ja – habe ich – ähm – genauso viel Verständnis, wie diese für die „Unterschicht“ haben. Ich frage mich täglich, ob sie es wirklich nicht nachvollziehen können, oder ob sie es einfach nicht wollen.

Mein Vorschlag wäre: ein Jahr lang das Leben des „Fußvolks“ schnuppern lassen. Vielleicht hilft es, zu erkennen, zu handeln, etwas zu ändern.

Und währenddessen hilft uns nur der Zusammenhalt. Nachbarschaftshilfe im Sinne von „ich heize mit Holz, kommt für ein paar Tage zu uns“ hält sicher wärmer als Zähne zusammenbeißen. Auch eine Kochgemeinschaft könnte über diese Krise helfen – immer abwechselnd ein anderer Nachbar, der für alle kocht. Trotzdem traurig, dass viele Menschen in diesem Winter verzweifeln werden – nötig wäre es nicht. Im Grunde ist Geld genug für alle da – es hapert nur an der Verteilung.

Wir Fragen dazu:

Was würde ein inflation-angepasstes Grundeinkommen von ca. EUR 2.200,- im Monat an Ihrer Situation bei dieser Krise ändern?

Schreibt gerne an: Info@Akademie-BGE.at

Über die Autorin

  • Christine Haas
  • Geboren 1960 in Wien
  • Nach Abschluss der HAK ab 1979: Chefsekretärin des Abteilungsdirektors der BAWAG-Auslandsabteilung
  • 1981: Geburt der Tochter
  • Ab 1982: Alleinerziehend, mit Gelegenheitsjobs (Garderoben- und Klofrau-„Geld stinkt net“, Handarbeiten in Heimarbeit)
  • Ab 1984: Sachbearbeiterin einer schweizerisch-spanischen Firma im Großmarkt Inzersdorf.
  • 1986: Beziehungsbeginn mit dem noch heutigen Ehemann – zwei Söhne, geb. 1988 und 1993.
  • Ab 1999: Selbständigkeit – Kiosk zwischen Schulen zwecks Jausenbetreuung.
  • 2012: Verkauf des Kiosks – mit 52 Jahren zurück ins Büro als Office-Managerin einer IT-Firma.
  • Seit 2020 in Pension und Zeit für meine Hobbys: Schreiben und malen.
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2 Kommentare

  1. Stocker Manuela sagt:

    wie immer auf den Punkt gebracht
    es wird auch keine Mittelschicht mehr geben
    nur mehr „Arm und“Reich

  2. Arno sagt:

    Im Jänner wird es noch viel heftiger werden. Ða werden dann wohl oder übel die Aufstände wachsen. Mir graut jetzt schon davor.

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