BGE-Einwände aus der Praxis

Nicht nur bei unseren Kundgebungen werden wir immer wieder mit verschiedenen Einwänden seitens interessierter Menschen konfrontiert, wonach ein Grundeinkommen aus diesem oder jenem Grund nicht wirklich machbar oder auch nicht sinnvoll wäre.

Hier stellen wir euch einige dieser Einwände mit unseren Stellungnahmen dazu vor.

„Ich bin gegen ein Grundeinkommen, weil das einige ausnützen würden!“

Was genau soll mit einem Grundeinkommen ausgenützt werden, wenn es jede/r erhält?

Ist es nicht eher gerade JETZT ausnützbar und unfair? Das derzeitige Sozialsystem fördert den Missbrauch, auf der einen Seite wird oft die Sozialleistung unberechtigt gesperrt. Einen Notstand zu sperren ist eine Menschenrechtsverletzung, da es das Existenzminimum entzieht. Zum anderen wird das Sozialsystem missbraucht, da es von Menschen ausgenützt wird, die es gar nicht benötigen.

Wir fänden es gut, wenn dann jede/r dieses Grundeinkommen vollumfänglich für sich nützen würde.

„Das Grundeinkommen wird niemals kommen!“

Warum nicht? Es gab immer wieder Errungenschaften aus der Gesellschaft heraus, von denen wir sogar heute noch profitieren.

Der Bauernstand konnte sich einst nicht vorstellen, dass die Leibeigenschaft irgendwann enden wird. 1781 wurde sie jedoch abgeschafft. Dasselbe galt für die Anliegen der Gewerkschaften. Die Arbeiterklasse glaubte nicht, dass sie jemals aus der Sklavensituation der Industrialisierung kommen werde.

„Mit dem Grundeinkommen verlieren wir doch unsere Leistungsgesellschaft!“

Dazu muss man sagen, dass viele ein falsches Bild von unserer Gesellschaft haben, denn sie ist alles andere als eine Leistungsgesellschaft. Was nicht vorhanden ist, kann demnach auch nicht verloren gehen.

Der Begriff dient nur zur Verwirrung der Menschen, denn Leistung ist etwas Relatives. Alleine an den ungerechtfertigten Löhnen sieht man, dass nicht nach Leistung entlohnt wird. Eine Leistung zu definieren ist nicht leicht, oder gar unmöglich.

„Dann geht ja keiner mehr arbeiten!“

Unsere Vorfahren hatten einst den Traum vom Schlaraffenland. Keiner sollte sich mehr buckelig arbeiten müssen. Wir haben heute bereits ein Schlaraffenland. Zwar fliegen die gebratenen Hühner nicht ins Maul, aber sie werden direkt ins Haus geliefert. Und nicht nur die Hühner, sonder Essen aus aller Welt und Sachgüter aller Art.

Statt schwer am Feld zu schuften sitzen bereits viele gemütlich im Büro. Wo früher Bauarbeiter schwer graben mussten, erledigt ein Bagger diese Arbeiten. Selbst im eigenen Haushalt fällt die Arbeit in vielen Bereichen aus: Waschmaschine, Saugroboter, Geschirrspüler usw. sind zu Selbstverständlichkeit geworden. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass unser Zutun in vielen Bereichen nicht mehr gefragt, sondern (künftig vielleicht) nur noch arbeiten, wenn wir es auch wollen.

„Das Grundeinkommen macht die Menschen vom Staat und der Politik abhängig!“

Liebe Österreicherinnen und Österreicher!
Bereits heute bezieht eine Mehrheit von uns ihr Einkommen vom Staat.

Dazu zählen unter anderem (unabhängig von eventuell geleisteten Mitgliedsbeiträgen)

  • die Schulen und das gesamte Bildungswesen
  • das AMS und das Sozialamt
  • Arbeitslose

„Ein Grundeinkommen ist kommunistisch!“

Nein, es ist eine neue Form, die die Erfahrungen des Kommunismus und Kapitalismus berücksichtigt, um das Beste für die Menschen zu erwirken. Zudem ist es notwendig, da unser Sozialsystem im Laufe der Zeit nicht an die Entwicklung der Wirtschaft angepasst wurde. Grundeinkommen ist eine neue soziale Sicherheit, die sich optimal an die Entwicklungen unserer Wirtschaft und Gesellschaft anpasst.

Das Grundeinkommen ist eine zutiefst menschliche Idee!

„Wir müssen ja die Vollbeschäftigung aufrechterhalten!“

Die Vollbeschäftigung steht bezogen auf Arbeit für die Beschäftigung aller Erwerbspersonen. Mit unserem „BGE Österreich“ ist aber Erwerb prinzipiell nicht mehr notwendig, solange keine höheren Ansprüche an die eigene Lebensgestaltung gestellt werden.

Täglich werden unzählige Erfindungen gemacht, die den Menschen von der Arbeit nicht nur unterstützen, sondern immer mehr befreien und somit den Sinn der Industrialisierung und der Wirtschaft erfüllen.

Immer mehr Maschinen werden künftig unsere Arbeit übernehmen, bis in kleinste und heute noch kaum vorstellbare Bereiche.

  • Im Privatbereich – Waschmaschine, Saugroboter, Kochroboter, Pflegeroboter, …
  • In der Produktion – 3D Drucker, Hausbauroboter, Montageroboter, Maschinen wie Bagger, Drohnen in allen Formen, Planierraupe, selbstfahrende Maschinen, Web- und Nähmaschinen, …
  • In der Dienstleistung – Künstliche Intelligenz (KI), die zum Beispiel Rechtsanwälte, Buchhalter, Steuerberater, Immobilienmakler, Verwaltungen, Telefondienste usw. ersetzt.
  • In der Medizin – Diagnosegeräte am Smartphone, die Puls, EKG, Krebsvorhersagen, Blutdruck- und Zuckermessungen usw. möglich machen und immer mehr den praktischen Arzt ersetzen wird, aber auch Roboter im Spitalsbereich, die Operationen durchführen, selbstfahrende Krankenbetten, Betreuungsroboter usw..

Gewerkschaften vertreten heute Beschäftigungen und Berufe, die es in naher Zukunft nicht mehr geben wird. Arbeit wird durch sie künstlich erhalten. Gewerkschaften verhindern dadurch Rationalisierung.

Wir müssen uns daran gewöhnen, keiner profitorientierten Erwerbsarbeit mehr nachzugehen, sondern uns den wichtigen Tätigkeiten einer Gesellschaft zu widmen, wie unter anderem den kulturellen, sportlichen und sozialen Kontakten.

Gemeinsam zum Grundeinkommen!